Borderlands

Review zu Borderlands
Provisorische Blechhütten in staubiger Landschaft mit comichafter Optik. Willkommen auf dem Planet Pandora!

Die Büchse der Pandora ist der Erzählung nach ein von den Göttern an die Menschen gerichtetes Geschenk. Die einzige Bedingung: Die Büchse dürfe niemals geöffnet werden. Nun eine Frau tat es trotzdem und brachte somit Unheil und Plagen über die Menschheit. Dieser Geschichte folgt der Rollenspiel-Egoshooter Borderlands auch sehr präzise. Die Büchse verspricht etwas ganz tolles, ist Teil einer alten Alienkultur und natürlich ahnen die meisten dass man besser die Finger davon lässt. Aber Schatzjäger und nach Profit gierende Konzerne sehen darüber natürlich gerne hinweg und versuchen ihr möglichstes die so genannte Büchse in ihren Besitz zu kriegen.

Pandora ist in diesem Fall aber nicht der Name der Alientechnologie oder der Artefakte auf die alle aus sind, sondern der Name eines Planeten. Dabei erweist sich der Planet selbst als gar nicht nettes Reiseziel. Warum alle Welt dort im Urlaub auf Schatzgräber machen möchte, sollte der geneigte Spieler sich schon fragen. Dieser wird zu Spielstart ohnehin erst einmal von einem Claptrap genannten Roboter begrüßt. Gerade erst aus dem Bus gestiegen und sich dort für eine Klasse entschieden, zeigt das Spiel von der ersten Minute an dass man es nicht zu ernst nehmen darf. Die überall erscheinenden Claptraps sind jammernde, ständig plappernde Nervensägen mit vorlauten Mundwerk. Die Spielwelt ist staubig, vereinfachte, stilisierte Proportionen und schwarze Konturen lassen das Spiel wie einen real gewordenen Comic erscheinen. Ein wie sich zeigt wichtiges Alleinstellungsmerkmal.

Schnell, Bunt, viel Action – wie ein Comic

Denn Borderlands beweist vom Start weg, dass man den Titel nicht allzu ernst nehmen darf. Selbst die an vielen Stellen in der Spielwelt und während der zahlreichen Gefechte, sorgt die Überzeichnung dafür dass die Gewalt nicht im Vordergrund steht. Das Motto heißt flotter Spaß ohne langes grübeln. Mit bis zu drei Freunden können die Ödlande Pandoras und deren Bewohner und Fauna unsicher gemacht werden.

Bei einem Treffer ploppt der verursachte Schaden auf. Bei Schnellfeuerwaffen ersetzen die eingeblendeten Zahlen glatt die sonst im Shooter-Genre recht oft übertriebenen Blutfontänen die als Schadenindikator dienen.

 

Borderlands richtet sich dabei an Spieler denen die schnelle Action eines Shooters gefällt und stellt das Rollenspiel in die zweite Reihe. Waffen gibt es in der Kategorie Nahkampfangriff, Pistolen, Revolver, Schrotflinten, Maschinenpistolen, Schnellfeuergewehre, Scharfschützengewehre, Raketenwerfer und Energiewaffen. An sich schon eine nette Zahl. Aber da Borderlands die Waffenvielfalt als eines der wichtigsten Features auserkoren hat, reichen viele Waffen nicht. Sehr viele waren den Entwicklern auch nicht genug. Richtig viele wären schön, sollten es aber auch nicht sein. Statt dessen gibt es absurd viele Waffen, die sich zwar nur im Detail unterscheiden aber ganz den Faktor Sammelwut bei Rollenspielen ausnutzen.

Nur noch fünf Minuten, ich will die Kiste noch öffnen

Die Pistole macht drei Punkte weniger Schaden und fasst zwei Schuss weniger im Magazin? Dafür ist die Feuerrate um eine halbe Kugel pro Sekunde schneller, die Genauigkeit satte zehn Prozent höher und ein Zielfernrohr sorgt für einen kleinen Zoom? Da ist es dann schon beinahe Nebensache dass Säure-Elementarschaden verursacht wird und die Waffe rot statt grün ist. Optisch unterscheiden sich die Waffen durch andere Farben und viele kleine Details am Waffengehäuse, eine Vielzahl an Eigenschaftswerten erledigt den Rest. Und so freut sich der Spieler, wenn die in einer Kiste gefundene Waffe besser ist als die eben noch genutzte Schnellfeuer-Pistole.

Neben den Werten der Waffen gibt es noch verschiedene Modifikationen für Granaten. Über Splitterschaden und Lebensentzug bis hin zu Teleportgranaten in verschiedenen Schadenskategorien ist auch hier große Abwechslung geboten. Als einziges Rüst-Utensiel dienen sich selbst wieder aufladende Schilde die in Kapazität und Ladegeschwindigkeit Unterschiede aufweisen. Manchmal wird zusätzlich aufkosten schwächerer Schilde die Gesundheit langsam regeneriert, oder beim versagen der Schilde ein Feuerschlag auf nahe Feinde ausgeführt.

Waffenvergleich mittels Popup in Borderlands
Das Popup verrät dass der Raketenwerfer zwar geringfügig ungenauer ist, dafür aber mehr Schaden verursacht als der gerade in Verwendung befindliche. In der Praxis zeigt sich auch eine etwas langsamere Ladegeschwindigkeit.

Wer eine bestimmte Waffengattung, zum Beispiel Sturmgewehre regelmäßig nutzt, verbessert die generelle Handhabung mit diesen und steigert den Fähigkeitslevel der jeweiligen Waffentypen. So lädt der Spieler künftig schneller nach, zielt allgemein genauer oder verursacht mit der Zeit höheren Grundschaden. Die Levelaufstiege des Spielers halten sich da etwas bedeckter. Die Lebensenergie wird gesteigert und die Stufe angehoben. Dies ist notwendig da Gegner die auch nur zwei oder drei Stufen höher sind, kaum zu besiegen sind. Liegen die Gegner unter der Stufe des Spielers, geben sie hingegen kaum noch Erfahrungspunkte. Auf diese Weise werden die Spieler dazu animiert nicht in Startgebieten zu campieren und der Levelaufstieg als Motivation genutzt stärkere Gegner zu suchen.

Ab der fünften Stufe darf der Spieler in Borderlands zudem bei jedem Aufstieg einen Fähigkeitspunkt vergeben. Andere Spiele bieten hier verschiedene Attribute und dazu Fertigkeitsbäume. Borderlands bietet nur einen einzigen Fertigkeitsbaum, der sich noch dazu auf eine einzige Fertigkeit beschränkt. Von dieser verfügt jede der vier Spielerklassen (Soldat, Berserker, Sirene und Jäger) über eine eigene, alle mit der Gemeinsamkeit dass sie sich nach Verwendung für einige Zeit aufladen muss um erneut genutzt zu werden.

Vier Freunde für ein Halleluja

Der Soldat stellt dabei einen mobilen Schild auf der ihm Schutz bietet und mit einem automatischen Geschütz Feinde beharkt. Optional kann in den aktiven Sekunden die Energie wiederhergestellt oder die Munition aufgefüllt werden. Auch passive Fähigkeiten wie größere Magazinkapazitäten sind möglich. Das macht den Soldat zur idealen Unterstützungsklasse. Die Sirene hingegen bewegt sich in einem so genannten Phasewalk. In diesem Modus ist sie für einige Sekunden unverwundbar, kann selbst aber auch nicht angreifen.

Dafür heilt sie in diesem Modus, kann sich in Sicherheit bringen, oder nahe an einen einzelnen Gegner heran stürmen um diesen zum Ende des Phasewalk mit massiv verstärkten Nahkampf- und Lähmungsschaden auszuschalten. Der Jäger schickt einen Raubvogel voraus der selbstständig Feinde angreift und profitiert stark von passiven Boni mit denen er als Fernkämpfer noch mächtiger wird. Der Berserker schließlich verzichtet in seiner Raserei ganz auf Waffen und prügelt seine Feinde im Nahkampf mit bestialischer Kraft und gestärkter Verteidigung in Grund und Boden.

Kooperativmodus Borderlands
Wir fahren und bedienen das Bord-MG, unser Freund bedient den Schwenkbaren Raketenturm. Durch mehr Spieler gibt es größeren Spielspaß, Kombinationen der Fähigkeiten, härtere Gegner und wertvollere Belohnungen.

Obwohl somit jedem Charakter nur eine recht selten nutzbare Fähigkeit eigen ist und die meisten Rollenspielaspekte sich auf die Ausrüstung beziehen, greifen alle Mechanismen die man von einem Rollenspiel wie Diablo erwartet. Viele absurde Gegner, schnelle einfache Aufträge vom sammeln bestimmter Gegenstände, bis zum besiegen großer Bossgegner. Und immer möchte man wissen ob in der nächsten Waffenkiste nicht endlich ein besserer Revolver liegt und spielt noch fünf Minuten länger um den lang ersehnten Levelaufstieg zu erreichen, um den Fertigkeitspunkt in die beim letzten Aufstieg freigeschaltete neue Option zu investieren.

Abschließend bleibt nur zu sagen: Borderlands ist der erste wirklich gelungene Versuch die Sucht- und Spaßfaktoren eines Diablo auf einen Shooter zu übertragen. Die Geschichte ist hahnebüchend und trotz sehr spaßiger kurzer Erzählsequenzen und Charaktervorstellungen Nebensache. Für mehr als ein kurzes Schmunzeln reicht es nie, und mehr will Borderlands auch nicht sein. Der Spieler soll nicht hinterfragen warum der vermeintlich böse Zwillingsbruder einen eindeutig falschen Bart trägt. Es reicht zu wissen dass zwischen ihm und dem Spieler einige Dutzend Gegner und ebenso viele neue Ausrüstungsgegenstände liegen um zu motivieren. Der Titel ist flott, auf das unterhaltsame reduziert und mit Freunden ein wahres Fest. Die Menübildschirme mögen etwas umständlich sein und hätten mehr Übersicht vertragen können. Die Quests bestehen aus einer kurzen Texttafel und sind für sich gesehen auf Sammeln oder Töten beschränkt. Aber diese Umstände haben schon bei dem Vorbild Diablo nicht wirklich gestört.

  • einzigartiger Comicstil
  • schneller, leicht zu lernender Spielfluss
  • fast endloses Angebot motiviert bessere Waffen zu finden
  • Schwierigkeitsgrad von Stufe des Spielers abhängig
  • Mit Freunden zu viert kooperativ spielbar
  • Trotz Comicgrafik oft grobe Texturen
  • Aufträge und Spielfluss zeigen kaum Abwechslung
  • Handlung erfüllt gerade mal Alibi-Charakter
  • Menübildschirme nicht optimal

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